Dienstag, 14. Februar 2017

Als die SchuhschnÀllchen noch um die Gunst der Damen wetteiferten...

Valentinstag! 💖
Irgendwie fand mein Geschenk schon vor ein paar Tagen den Weg zu mir - vollkommen ĂŒberraschend.
 Am Wochenende waren Monsieur und ich auf einem Antikmarkt unterwegs, aber bis dahin hatte sich der Besuch nicht eben ergiebig gestaltet, lediglich eine Karte mit Haken und Ösen war in meine Tasche gelangt. Bei einer letzten Runde durch die unzĂ€hligen Reihen der Auslagen, blinkte und funkelte es dann aus einem Schaukasten und ich trat nĂ€her...
...und nÀher...
Nun muß ich vorwegschicken, dass ich ĂŒblicherweise bei Schmuck nicht in BegeisterungsstĂŒrme ausbreche und die Ausbeute meiner Schmuckschatulle eher karg ist (und das ist noch eine ĂŒppige Umschreibung!), aber fĂŒr Putz, der auch noch Nutzen hat, da kann ich mich sehr wohl begeistern....also trat ich noch nĂ€her! 
In einer Ecke auf rotem Samt lagen zwei herrliche Damenschuhschnallen. Der Glanz der OberflÀche war ein wenig ermattet und die Similitsteinchen hatten schon heller gefunkelt, damals noch ein paar Jahre vor den 1790ern.
Valentine's Day! 💖
Somehow my gift already crossed my path a few days ago - quite surprisingly.
This past weekend my husband and I were on a shopping spree at the antique market, but that morning our visit seemed not to be a success, so far I've only purchased a card with hooks and eyes and I went along with a light shopping bag. Upon our last stroll along the booths, my eye suddenly caught a sparkle in one of the glass displays and I went closer...
...and closer...
First I have to tell you, that I'm usually not up in a storm of enthusiasm about jewelry and that my jewelry case more or less is barren land, but for sparkle, which also has a practical function, I'm all in...hence I went even closer!
In one edge of the glass display, bedded on red velvet was a pair of lady's shoe buckles. The shine of the surface was slightly tarnished and the paste stones probably were more sparkling years before the 1790s.
Ich war entzĂŒckt, ĂŒber die wunderschönen SchmuckstĂŒcke und der Tag war gerettet. 
Erst auf dem Weg nach Hause, als ich meinen Schatz in den HĂ€nden wog, dĂ€mmerte mir allmĂ€hlich, dass ich eigentlich gar keine Schuhe fĂŒr diese Modemarotte habe. In den 1790ern nĂ€mlich hatte die Beliebtheit dieser Schuhschnallen in der Damenmode lĂ€ngst ihren Höhepunkt ĂŒberschritten.
I was delighted and the day was saved.
On our way home, while weighing my precious in the hands, it finally dawned on me, that I actually have no shoes matching this fashion. In the 1790s the popularity for lady's shoes buckles has long passed it's peak.
Ach, was soll's, sie sind so funkelnd...
Oh, what's the use, they are so sparkling...
...und wunderschön.
Sicher waren sie vor ĂŒber zweihundert Jahren auch einmal ein Geschenk gewesen. Eines, dass selbst da noch von (Erinnerungs-)Wert war, als sich das Leder der passenden Schuhe dazu lĂ€ngst aufgelöst hatte und die Mode wechselte.
...and beautiful.
Most certainly they've been a gift more than two hundered years ago. One, that still has had it's value (and memories) when the leather of the shoes had dissolved and the fashion changed.
Wie prÀzise sie gearbeitet sind. Und doch ist jedes ein klein wenig unterschiedlich.
Der Rahmen mag aus Metall oder vielleicht auch Silber sein und ist mit Similitsteinchen besetzt, der Dorn ist aus Eisen.
Der Zustand ist tadellos.
Jeder Schnalle misst 5 x 6 Zentimeter.
How accurately they are made. And yet each of them is slightly different.
The frame is either made of steel or even silver and adorned with paste stones, the spike, chape, tongue and pin are made of iron.
It's in mint condition.
Each buckle measures 5 x 6 Centimetres.
Sicherlich wurde dieser Schatz gut gehĂŒtet!
Most certainly this gem was well cared for!
Ich entschied mich dazu, fĂŒr ihre weitere Aufbewahrung eine Schatulle aus Holzpappe, altem Handschuhleder und Schmuckpapier zu fertigen.
Vor einigen Jahren hatte ich ein Konvolut an Handschuhen erworben, die leider ausnahmslos vollkommen abgetragen waren. Seither dient das alte Material fĂŒr die Verwendung bei BĂŒchern oder Schachteln.
I decided to assemble a box made of pasteboard, old glove leather and printed paper.
Few years ago I've purchased a lot of gloves, which unfortunately were all worn out and in a pity condition. Ever since I used this material for binding books and boxes.
Die Schachtel ist an historische Vorbilder angelehnt. Sie misst 11 x 7 Zentimeter.
The box is based on antique pieces. It measures 11 x 7 Centimetres.
Wer weiß, vielleicht gönne ich mir doch noch irgendwann ein Paar passender Schuhe.
Möglicherweise zum nÀchsten Valentinstag ;)
Who knows, maybe one day I also get a pair of matching shoes.
Perhaps next year's Valentine's Day ;)

Montag, 6. Februar 2017

"You are Witty & Pretty" Late 18th century Needlecase

Bislang hielten meine Nadeln ihre wohlverdiente Rast vom NĂ€hen in einem kleinen Kissen in einer Holzschatulle. Bei tĂ€glichem Gebrauch im Haus am NĂ€htisch ein durchaus sinnvoller Platz, aber fĂŒr unterwegs nicht immer geeignet. Umso rascher gewann bei einem virtuellen Spaziergang im Netz ein kleines Utensil mein Herz: ein Nadelköcher aus dem spĂ€ten 18.Jahrhundert aus Emaille.
Diese neckischen NadelbehĂ€ltnisse sind oftmals kaum grĂ¶ĂŸer als ein heutiger Lippenstift und passen somit in das kleinste RetikĂŒl. Außerdem sind sie Kunstwerke en miniature.
Until recently I used to keep my needles and pins in a cushion in a wooden chest for their well earned rest. For the daily use inside the house at the sewing table this always proofed to be a reasonable place, but never for out and about. All the more a tiny implement quickly won my heart upon a virtual stroll through the width of the internet: a late 18th century needle case made of enamel.
These whimsical needle cases have been hardly bigger than today's lipstick, hence they'd fit even in the smallest of reticules. Furthermore they are little pieces of art.
Enamel Etui (Quelle/source: Royal Collection Trust)
18th century enamel sealing wax (?) case (Quelle/source: rubylane via pinterest)
Ein wahrer Hingucker, oder? Zumeist sind diese herrlichen AlltagsbeglĂŒcker nur etwa um die 10 Zentimeter groß gewesen und dennoch steckte soviel Detailverliebtheit und Schönheit darin...und einige waren einfach herzig, so wie das StĂŒck, das es mir angetan hatte.
Real eye candy, isn't it? Usually these amazing pieces measured only around 10 centimetre and still they were so rich in detail and beauty...and some are simply cute, as the one, which I have chosen.
ca.1770 antique Bilston/Staffordshire enamel needlecase (Quelle/source: ebay via pinterest)
Kein Wunder, dass der Preis in der Auktion derart hoch geklettert ist, denn dieses Geschenk kam damals sicherlich von Herzen und hat selbiges beim EmpfÀnger hoffentlich zum Schmelzen gebracht.
Leider habe ich keinen Einblick in die Technik des Emaillierens und so zerbrach ich mir ein paar Tage den Kopf, wie man das SchmuckstĂŒck fĂŒr den heimischen NĂ€htisch (und fĂŒr unterwegs!) nacharbeiten könnte. GlĂŒcklicherweise entdeckte der Herr des Hauses alsbald einen hölzernen Köcher, der sich fĂŒr die Arbeit anbot.
No wonder that the price in the auction went that high, because this gift was probably straight from the heart of the giver and hopefully also melted the heart of the recipient.
Unfortunately I had no clue on the technique of enamel, thus I've spent a few days to find a way to recreate the little gem for my sewing table (and for out and about!)
Luckily my dear husband found a suitable wooden case, that would work well for the project.

ZunÀchst stand Schleifen und Grundieren auf dem Plan, ehe die erste blaue Farbschicht aufgetragen werden konnte...und zwischendurch immer ausgedehnte Trocknungszeiten.
First sanding and priming was due, before the first blue coat was made...and in between extended drying time.
Das Original misst 3 7/8 Zoll (also 9,8 Zentimeter), wĂ€hrend mein Holzköcher 3 3/8" (8,5 Zentimeter) groß ist. Die Bemalung war wirklich eine Herausforderung und es ging mit kleinsten Pinseln und Zahnstochern ans Werk. Und dann kamen mehr als zehn Schichten Klarlack.
The original measures 3 7/8 inches, while my copy case is 3 3/8 inches long. The painting was a challenge and I went to work with the tiniest of brushes and toothpicks. And then it was finished with more than ten coats of varnish.
...und nach der zehnten oder elften Schicht Klarlack kam dann ein Seufzer der Erleichterung und Freude. Auch wenn es keine echte Emaillearbeit geworden ist, dieses kleine Projekt hat den Spruch auf dem Nadelköcher "May you be happy" bereits erfĂŒllt.
...and after the tenth or eleventh coat of varnish I made a sigh of relief and happiness. Even though it's not an enamel piece, this little project already fulfilled the saying that is written on the needle case "May you be happy".

Ein zusĂ€tzlicher Messingring wurde eingesetzt. Im Gegensatz zu dem Original verfĂŒgt der Nadelköcher nicht ĂŒber einen Messingschaft, sondern hat ein kleines Gewinde.
An additional brass rings was attached. While the original needle case is closed over a brass shank, mine has a brass thread.
Schöner kann man Nadeln eigentlich nicht aufheben!
Isn't this is the most stunning place for needles!

"You are witty and pretty"

Und wer genau hingesehen hat, es sind gleich zwei StĂŒcke geworden.
And for those who have a keen eye, I've finished two of them.
 
Derzeit helfen sie mir bei der Fertigstellung des gequilteten Spenzers. Dank dieser UnterstĂŒtzung hat man gleich am frĂŒhen Morgen bei Arbeitsbeginn gute Laune,...
Currently they help me working on my quilted spencer. With this support early morning at the sewing table starts with bliss,...

...auch wenn - Fehlsichtigkeit sei Dank - die Arbeit mitunter von Fluchen begleitet war und der Farbnebel gefĂŒhlt tagelang aus der Werkstatt durch das Haus waberte.
...even though - due to ametropia - the works were frequently accompanied by swearing and it felt as if the drizzle crawled endlessly throught the house like fog. 

Long may you live & be happy

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Die wohl berĂŒhmteste Tasse Tee Weimars

Bei einem köstlichen TĂ€sschen Tee, möchte ich den Ausklang des Jahres nutzen, die Geschichte ĂŒber eine sehr berĂŒhmte Tasse Tee wiederzugeben und dabei eine Bitte an meine Leser heranzutragen, ein Projekt des Freundeskreises des Goethe-Nationalmuseum e.V. zu unterstĂŒtzen, von dem wir erstmals bei unserem letzten Besuch vor Ort in Weimar hörten.
Im spĂ€ten 18.Jahundert und frĂŒhen 19.Jahrhundert wĂ€hlten viele BerĂŒhmtheiten die schöne Stadt an der Ilm zu ihrem Sehnsuchtsort. Heuten stehen sie oft im Schatten der beiden Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, umso wichtiger ist es, an sie zu erinnern, denn allein das Zusammenspiel all der großen und kleinen BerĂŒhmtheiten formte Weimars Bedeutung.
While enjoying a cup of tea, I'd like to take the ending of the year as a chance to tell my readers about a famous cup of tea and ask for their support in a most wonderful little project of the Freundeskreis Goethe-Nationalmuseum e.V., which came to our ears on our past journey to Weimar.
In the late 18th and early 19th century plenty of prominence have chosen to stay in the beautiful town at the river Ilm. Today they often stand out of the limelight of Johann Wolfgang von Goethe and Friedrich Schiller, hence the more important it is to be reminded of them, because their interaction formed Weimar's repute.

1806, Johanna Schopenhauer mit Tochter Adele, Caroline Badura (Quelle/source: wikimedia)
Der Einfachheit halber, möchte ich den folgenden Text des Freundeskreises Goethe-Nationalmuseum e.V. Weimar wiedergeben: 
Spendenaufruf zu einer Gedenktafel fĂŒr Johanna Schopenhauer in der Schillerstraße
Die wohl berĂŒhmteste Tasse Tee Weimars wurde am 20.Oktober 1806 von der Saloniere Johanna Schopenhauer an Goethes frisch angetraute Gattin Christiane gereicht. Mit den unsterblichen Worten "ich dencke wenn Göthe ihr seinen Namen giebt können wir ihr wohl eine Tasse Thee geben", durchbrach sie die Mauer des Schweigens, mit der die Weimarer Gesellschaft die LebensgefĂ€hrtin Goethes bis dahin geĂ€chtet hatte.
Allein fĂŒr diese ebenso große wie geistreich formulierte Geste verdient Johanna Schopenhauer (1766-1838) bis heute Hochachtung der Freunde Goethes und seiner Familie. Doch hatte die Schopenhauer durchaus noch andere Verdienste, die sie zu einer unentbehrlichen Persönlichkeit im "Klassischen Weimar" haben werden lassen. Nach den zweitĂ€gigen PlĂŒnderungen im Gefolge der verlorenen Schlacht bei Jena am 14.Oktober 1806 war die weitgereist-weltlĂ€ufige, hochgebildet-redegewandte und charmant-großzĂŒgige Frau genau die Richtige, um der schockgelĂ€hmten Weimarer Gesellschaft zunĂ€chst Halt und nach und nach wieder neuen Mut zu geben. Dies gelang ihr durch Einrichtung abendlicher Teegesellschaften, in die sich jeder, sobald er in den geselligen Kreis einmal eingefĂŒhrt war, ohne weitere Anmeldung einfinden konnte. Diese offene Form der Salongeselligkeit fĂŒr beide Geschlechter war neu in Weimar und fand großen Anklang.
Mit Hilfe des Stadtarchivs Weimar konnte nun der genaue Ort des ersten und bedeutenden Salons der Schopenhauer ermittelt werden. Von 1806 bis 1813 wohnte sie im Haus der HofrĂ€tin Johanna Caroline Amalie Ludecus, die sich als Schriftstellerin Amalie Berg nannte, in der Esplanade, spĂ€ter Schillerstraße Nummer 10, also nur zwei HĂ€user weiter rechts neben dem Schillerhaus. Allerdings ist das auf der alten Stadtmauer errichtete GebĂ€ude 1896/97 durch das sogenannte Gewerbehaus ersetzt worden, in dem heute die Kreishandwerkschaft ihren Sitz hat.
Bisher gibt es in Weimar keinen Ort des Erinnerns an die einst so hoch geschĂ€tzte und weit ĂŒber die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Johanna Schopenhauer; ihre GrabstĂ€tte befindet sich in Jena, die Schopenhauerstraße meint ihren Sohn Arthur. Es ist an der Zeit, diese große Dame Weimars mit einer eigenen Gedenktafel zu ehren. Der Tafeltext könnte wie folgt lauten:
"Hier stand das Haus, in dem die Schriftstellerin Johann Schopenhauer (1766-1838) von 1806 bis 1813 ihren berĂŒhmten Salon fĂŒhrte"
Der Preis fĂŒr eine Tafel mit diesem Text liegt bei ca. 1300 Euro. Wenn Sie dieses von zahlreichen Verehrerinnen und Verehrern in und außerhalb Weimars schon lange geforderten Vorhaben des Freundeskreises des Goethe-Nationalmuseums e.V. Weimar unterstĂŒtzen möchten, bitten wir Sie herzlich um eine Spende auf folgendes Konto:
Freundeskreis Goethe Nationalmuseum e.V. 
Sparkasse MittelthĂŒringen Erfurt
DE34 8205 1000 0365 0003 37 
BIC/SWIFT HELADEF1WEM
Stichwort: Schopenhauer

I'd like to share the text of the Freundeskreis Goethe Nationalmuseum e.V. Weimar:
Call for donations to build a commemorative plaque for Johanna Schopenhauer in the Schillerstrasse
 Probably the most famous cup of tea in Weimar was served on the 20th October 1806 from the saloniere Johanna Schopenhauer to Goethe's newly wed wife Christiane. With the immortal words "I guess if Goethe has given her his good name, we can kindly offer her a cup of tea" she tore down the wall of rejection, which the Weimar society had bestowed on Goethe's wife to ostracize her.
For this generous and witty gesture alone Johanna Schopenhauer (1766-1838) truly deserves the respect of Goethes family and friends and all of us til today. But she has plenty more merits, which have helped her to become an essential part of the "Classic Weimar". After the two days of marauding and looting past to the lost battle in Jena on the 14th October 1806, the sophisticated, eloquent and charming generous woman was there to keep the deeply shocked Weimar scociety grounded and gradually give them back hope and strenght. She succeeded to do so with her vespertine tee salons, which were open to everyone once introduced to the circle, without invitation. This informal practice of social gathering for both sexes was new to Weimar and quickly well received.
With the help of the Stadtarchiv Weimar (city's archive) the exact place of this salon could be identified. From 1806 to 1813 Johanna Schopenhauer stayed at the house of court counselor Johanna Caroline Amalie Ludecus, whose pseudonym as writer was Amalie Berg, at the Esplanade, later Schillerstrasse No.10, only two houses away on the right from the Schillerhouse. Unfortunately the original building on the grounds of the former town's wall was replaced in 1896/97 by the Gewerbehaus, which today is seat of the District Craft Trades Association.
So far there's no place of commemoration of the once so highly estimated and famous Johanna Schopenhauer in Weimar; her grave is in Jena, the Schopenhauerstrasse dedicated to her son Arthur. It's time to pay tribute to this grand dame of Weimar with a commemrative plaque. The text would read as follows:
"Hier stand das Haus, in dem die Schriftstellerin Johanna Schopenhauer (1766-1838) von 1806 bis 1813 ihren berĂŒhmten Salon fĂŒhrte"
(translation: "Here's the place, where the famous writer Johanna Schopenhauer (1766-1838) held her salon (circle) from 1806 to 1813")
The price for the plaque is approx 1300 Euro. If you'd like to support the project of the Freundeskreis Goethe-Nationalmuseum e.V. for long due commemorative plaque, we'd kindly ask you to donate to:
Freundeskreis Goethe Nationalmuseum e.V. 
Sparkasse MittelthĂŒringen Erfurt
DE34 8205 1000 0365 0003 37 
BIC/SWIFT HELADEF1WEM
keyword: Schopenhauer
1794, Johanna Schopenhauer, Zeichnung von Gus. Guibert (Quelle/source: zeno.org)
Vielen herzlichen Dank. 
Meine Tasse Tee ist geleert und es bleibt mir meinen Lesern alles Gute fĂŒr das kommende Jahr zu wĂŒnschen. Ich hoffe, wir sehen uns im Januar!
Thank you very very much.
My cup of tea is empty and I'd like to wish my readers all the best for the coming year. I hope to meet you again in January!

Edit:
Wer neugierig auf Johanna Schopenhauer geworden ist, auf Alessandras Seite Pavillon de la Paix gibt es auch noch einen Beitrag.
If you're curious to read more about Johanna Schopenhauer, there's further info on Alessandra's blog Pavillon de la Paix.

Samstag, 17. Dezember 2016

Weimar zwischen Alltag und Arkadien

Wenn sich der Jahreskalender allmĂ€hlich ausdĂŒnnt, richtet sich der Blick unvermeidlich zurĂŒck zu den vergangenen Tagen und mit besinnlichem GemĂŒt rufen wir uns Erinnerungen lebendig ins GedĂ€chtnis.
Einer der Höhepunkte dieses Jahres war fĂŒr mich wieder einmal der Besuch im wunderschönen Weimar im letzten September und ich muß gestehen, der Gedanke an die herrlich unbeschwerte Zeit trĂ€gt mich durch diese doch eher als dĂŒster empfundenen Wintertage.
Das Motto war "Weimar zwischen Alltag und Arkadien" und wir sind ihm tatsĂ€chlich mehr als gerecht geworden, denn ein wenig fĂŒhlen wir uns schon heimisch in der Klassikerstadt, die Schritte fĂŒhren uns orientierter durch die gepflasterten Straßen, PlĂ€tze und Gassen sind uns vertrauter und immer öfter geben wir uns einfach dem Otium hin. Plauschend, Tee trinkend, lachend, schweigend, aber immer mit Muße...
At the end of the year, when the calendar finally gets thinner, we undoubtly take a glance at the passed days and we vividly remember happy days, which warm our hearts.
One of the highlights this year was again our visit to the beautiful town of Weimar past September and I have to admit, these carefree days carry me through the seemingly dark time of this winter.
Our motto back in September was "Weimar between every day life and arcadia" and we did it justice, because by now we truly feel at home in the town of classic, our steps were more determined on the cobbled streets, places and alleys were more familiar and we easily gave in to otium. Gossiping, tea drinking, laughing, silent, but always with idleness...

...bis auf einen Tag! Denn unser Freitag begann mit ein wenig Arbeit. Bei unserem letzten Besuch auf dem historischen Friedhof hatten wir einige vernachlĂ€ssigte Grabstellen bemerkt und uns gefragt, ob wir da nicht Abhilfe schaffen könnten. Freundlicherweise stieß unsere Idee vor Ort auf fruchtbaren Boden und einige Grabstellen wurden fĂŒr unsere angedachte Gartenarbeit ausgesucht.
Freitagvormittag schnĂŒrten wir unsere SchĂŒrzen, krempelten die Ärmel hoch und erschienen mit einem Bollerwagen voller GartengerĂ€te und Pflanzen auf dem Friedhof.
...except one day! Because our Friday started with a bit of labour. On our previous visit of the historic cemetery we spotted quite some neglected graves and wondered, whether we could offer some help.
Luckily our idea was received with much appreciation and some graves were chosen for maintenance.
On Friday morning we grabbed our aprons, rolled up our sleeves and arrived at the cemetery with a handcart full of gardening tools and plants.
Entlang der Mittelmauer befindet sich die letzte RuhestÀtte der Gebeine von rund 50 namenlosen französischen Soldaten die zwischen 1813 und 1814 in Weimar fielen und bei einer Ausgrabung 2012 in der Bauhausstrasse entdeckt worden waren.
Along the middle wall of the cemetery is the last resting-place of 50 nameless french soldiers, who died between 1813 and 1814 in Weimar, their remains were found during an excavation in the Bauhausstrasse in 2012.
Die schlichten GrĂ€ber waren vollstĂ€ndig ĂŒberwuchert.
The plain graves were completely overgrown.
Nachdem die StÀtten vom Unkraut befreit waren, hielten neue winterharte Pflanzen ihren Einzug.
After the sites were freed from weed, hardy plants found their new grounds.
 
Neben den Pflanzen hatten wir auch einen Strauß im Bollerwagen, dessen Blumen wir hier und dort niederlegten.
Beside the plants we've also had a bunch of flowers in the wheelcart, which we left on different graves.
Das Grab der Familie Johannes Daniel und Caroline Falk

Die letzte RuhestĂ€tte von Charlotte Leidenfrost (1788-1848), die eine Lehr-und Bildungsanstalt fĂŒr MĂ€dchen gegrĂŒndet und einige BĂŒcher zur Erziehung herausgebracht hatte. 
Wer noch mehr ĂŒber diesen Freitag erfahren möchte, auf ihrer Seite Pavillon de la Paix hat Alessandra ebenfalls einen Beitrag verfasst.
The grave of Charlotte Leidenfrost (1788-1848), who has founded a school for girls and also published books on female education.
More about this Friday on the cemetery is written on Alessandra's blog Pavillon de la Paix.

Am nĂ€chsten Morgen ging es dann schon sehr frĂŒh aus dem Bett, genauer gesagt noch vor Sonnenaufgang. In kleiner Runde fanden sich einige tapfere FrĂŒhaufsteher, um durch die noch schlafenden Gassen der Stadt in den Ilmpark zu ziehen und dort bei Goethe ein kleines FrĂŒhstĂŒck zu genießen und den neuen Tag zu begrĂŒĂŸen.
The next morning started very early, which means before sunrise. A small group of early birds met to range through the still asleep town to the park at river Ilm, to have breakfast at Goethe's garden house.
Eine unvergessliche AtmosphÀre
An unforgettable atmosphere
Weimar schlief noch...
Weimar was still asleep...
...als wir zu Goethes Gartenhaus schlenderten.
...while we went to Goethe's garden house.
Eine Tasse starker Kaffee bereitete uns bestens fĂŒr den Tag vor.
A cup of strong coffee prepared us well for the day.

(copyright F.Robardey)
Am spÀten Vormittag hatten wir uns stadtfein gemacht. Zur Mittagsstunde brachen wir auf zum Kirms Krackow Haus, ehe wir nachmittags die Kutsche hinaus zu Schloss Tiefurt nahmen, um die Herzogin Anna Amalia vor den Toren der Stadt auf ihrem Sommersitz zu besuchen.
In the late morning we've been dressed in our fine attire. Around noon we went to the Kirms Krackow House for a meal, before we took the carriage to Schloss Tiefurt, to pay a visit to Duchess Anna Amalia in her summer residence.
(copyright Julia Bennett Nelsen)
Monsieur T., Madame D. und ich im herrlichen Kirms Krackow Garten
Monsieur T., Madame D. and me in the quaint Kirms Krackow Garden.
(copyright Julia Bennett Nelsen)
Madame Bennett mit Mademoiselle Josephine in feinster Garderobe.
Madame Bennett and Mademoiselle Josephine in their finest.

Nach einem stÀrkenden Mahl ging es hinaus nach Tiefurt.
After a good hearty meal we went to Tiefurt.
(copyright F.Robardey)
Das Wetter war uns gĂŒtigst gestimmt, aber bevor wir uns zu einem Pique Nique niederlassen wollten, statten wir der kleinen Kapelle in Sichtweite des Schlosses einen Besuch ab.
The weather was awesome summerly, but before we settled for a lovely pique nique, we went to the small chaple just in sight of the residence.
(copyright F.Roardey)

Ein kleiner Spaziergang... 
A beautiful little walk...

(copyright F.Robardey)

...in die Kapelle...
...to the chapel...
(copyright F.Robardey)

...und zurĂŒck zum Schloss, ehe es in den Park ging.
...and back to the residence, before we ventured into the park.

(copyright F.Robardey)
Der Weg fĂŒhrte uns zum Teehaus...
The road led us to the Tea House...
(copyright F.Robardey)
Madame BĂ©casse des Bois und Monsieur T. vor dem Teehaus.
Madame BĂ©casse des Bois and Monsieur T. in front of the Tea House.

(copyright F.Robardey)
Madame R. vertieft in ihr Zeichenbuch.
Madame R. busily caught by her sketch book.
(copyright F.Robardey)
Bei einem vorzĂŒglichen Mohnkuchen von Madame Bennett verging die Zeit rasch, ehe wir endlich zur Herzogin Anna Amalia vorgelassen wurden.
Spoiled with a delicious cake by Madame Bennett time flew by quickly until we were allowed to finally meet Duchess Anna Amalia.
(copyright F.Robardey)
Wir fanden Zeit ihre geschmackvolle Einrichtung zu bewundern.
We took time to admire her taste in interior.
(copyright Julia Bennett Nelsen)
Solch herrliche RĂ€umlichkeiten bekommt man nicht jeden Tag zu sehen.
Such beautiful rooms are a rare sight.

Aber die Herzogin ließ auf sich warten...
But the duchess had us waiting...
(copyright F.Robardey)
...und warten...
...and waiting...
(copyright F.Robardey)
Aber das Warten zahlte sich aus und so erhielten wir eine weitere Einladung fĂŒr einen informellen Besuch am nĂ€chsten Vormittag im Wittumspalais an der Esplanade.
But the waiting paid off and we received a further invitation for an informal visit on the next morning at the Wittumspalais at the Esplanade.
Am Sonntagmorgen fanden wir uns pĂŒnktlich um elf Uhr im Palais ein, aber noch lag eine Stille ĂŒber den GĂ€ngen und in den RĂ€umen und fĂŒr uns hieß es abermals zu warten...
On Sunday Morning we arrived in time at the Palais, but the corridors and rooms were still neglected and again we had to wait...
(copyright F.Robardey)
...und warten...
...and waiting...
(copyright F.Robardey)
 In dieser Hinsicht hatten wir mittlerweile Übung, aber dennoch waren wir erfreut, als uns gestattet wurde, uns umzusehen.
In this regard we've excercised well, but felt relieved when we were allowed to take a walk through the rooms.
(copyright F.Robardey)
Madame R. bewundert eine Zeichnung.
Madame R. admires a sketch.
(copyright Julia Bennett Nelsen)
Madame Bennett bewundert das feine Spiegelglas (und vielleicht auch sich selbst - recht so)
Madame Bennett admires the fine mirrows (and maybe herself - right so)
(copyright F.Robardey)
Monsier R. im grĂŒnen Salon
Monsieur R. in the green room
(copyright S.Reil)
Madame Bécasse des Bois hÀlt Ausschau, leider setzte an diesem Morgen, nach herrlich sonnigen Tagen, Regen ein.
Madame BĂ©casse des Bois looks out of the window, unfortunately, after days of sunshine, it started to rain.
(copyright F.Robardey)
Monsier T. sammelt Ideen fĂŒr sein eigenes Haus.
Monsieur T. collects interior ideas for his home.
(copyright Julia Bennett Nelsen)
Madame D. und Mademoiselle Josephine tanzen.
Madame D. und Mademoiselle Josephine spend the time with dancing.
(copyright F.Robardey)
Allerdings gibt es weitaus weniger erbauliche BeschÀftigungen als einen Morgen im Wittumspalais zu warten.
There are far more less appealing activities than waiting in the Wittumspalais.

Die Tage in Weimar waren herrlich entspannend: sonniges Septemberwetter, exzellente Gesellschaft, gute Speisen und erfolgreiche Besuche bei den ansÀssigen HÀndlern...davon zehrt man noch lang!
The days in Weimar were amazingly relaxing: sunny September weather, excellent company, good foods and successful shopping sprees...this is what good memories are made of!